Geschichte

Aus ständiger Seenplatte wurde Zentralsportanlage Wittenbrink

Sommer 1945: Der alte Sportplatz im Dorf, den die alte Blau-Weiß-Generation zwei Jahrzehnte zuvor selbst hergerichtet hatte, ist von Panzerketten der Besatzungsarmee zerwühlt. In Selbsthilfe wird das Spielfeld wieder instandgesetzt. Der Spielbetrieb lebt in Wulfen wieder auf.
Sommer 1952: Mit einem Toto-Zuschuß von 1.000,00 DM ( 511,00 €) wird in Selbsthilfe Asche als Drainage eingebracht, um die ständige Seenplatte auf dem Platz bei Regenschauern zu verhindern.
Mai 1957: Der SC Wulfen steigt als Meister der Kreisklasse Borken-Dorsten in die Bezirksklasse auf. Der Ruf nach einer besseren Spielfläche wird lauter.
Die Gemeindevertretung beschließt, die Sportanlage auszubauen.
Ein Planungsentwurf wird in Aussicht genommen, große Flächen müssen erst noch hinzu erworben werden.
Sommer 1960: Der "Acker" mit seinen Unebenheiten führt zu immer größerem Ärger bei den Gastvereinen der Bezirksklasse. In erneuter Selbsthilfe wird mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde (Einsatz einer Planierraupe) die Aschenbahn in das Spielfeld einbezogen und die Oberfläche dünn mit schwarzer Asche eingedeckt. Vorübergehend gibt es bessere Platzverhältnisse.
Sommer 1961: Die Grundstücksverhandlungen - insbesondere mit der katholischen Kirchengemeinde St. Matthäus und der Familie Graf von Merveldt - sind erfolgreich abgeschlossen. Der Planungsauftrag für die neue Anlage wird erteilt.
Sommer 1964: Auftragsvergabe an Firma Berger, Altschermbeck, Beginn der Erdbewegungen. Im Herbst wird der Fertigrasen aufgelegt.
27. Mai 1965: Bürgermeister Bernhard Osterkamp übergibt das erste Spielfeld an den SCW. Der Regionalligist Rot-Weiß Essen trägt das Eröffnungsspiel gegen den BVH Dorsten aus. Trotz strömenden Regens kommen 2.000 Zuschauer! Den Anstoß führt Altbürgermeister Johann Schonebeck aus.
Mai 1966: Übergabe des großzügigen Umkleidegebäudes an den SC Wulfen.
Frühjahr 1972: Die Firma Sportstättenbau B. Niewerth aus Westerholt erhält den Auftrag, das Hauptspielfeld mit den leichtathletischen Anlagen auszubauen. Der Rat der Gemeinde Wulfen hatte entsprechende Beschlüsse gefasst und die Finanzmittel bereitgestellt.
Herbst 1972: Einsaat der Spielfläche durch die Firma Grunewald, Garten- und Landschaftsgestaltung (Erle).
November 1972: Die neue Beleuchtungsanlage wird in einem Spiel SCW / BVH (kombiniert) gegen die Westfalen-Auswahl eingeweiht.

Das Clubhaus des SC Wulfen auf der Sportanlage, in Selbsthilfe gebaut und von der Gemeinde Wulfen finanziert (Materialkosten), wird eingeweiht und dient als Schießhalle für die Wulfener Sportschützen sowie als Tagungs- und Übungsraum für das Deutsche Rote Kreuz. Die Wulfener Sportler haben ihr Heim gefunden.
Wittenbrink-Klause

Frühjahr bis Herbst 1973: Der Rasenteppich wächst heran, weiterer Ausbau der Anlage, Bepflanzung, Einzäunung.
13. August 1974: Durch eine großzügige Spende der Firma Neckermann in Frankfurt am Main erhält der SC Wulfen zur Einweihung eine eigene Sauna im Umkleidegebäude auf der Sportanlage.

Einweihungsspiel gegen den FC Schalke 04

Fast zwei Jahrzehnte nach dem Beschluß zum Ausbau der Anlage ist die Sportanlage "Wittenbrink" vollendet.
Rekordbesuch im neuen Stadion – Herrlicher Rahmen für die Einweihung

Montag, 12. August 1974: Strömender Regen, der nicht wieder aufhören will. Der neue Rasenplatz auf der Sportanlage Wittenbrink steht völlig unter Wasser! Der Wetterbericht läßt kaum Hoffnung auf Besserung. Betrübte Gesichter in Wulfen, sorgenvolle Mienen bei den Verantwortlichen und den zahlreichen Helfern des SC Wulfen. Ein schwacher Trost: Der Vorverkauf an Eintrittskarten deckt bereits die Unkosten. Aber: Rekordbesuch?
Dienstag, 13. August1974: Wieder leichter Regen am Vormittag, der Himmel lichtet sich ein wenig.
Franz AlbersMittags: Die Sonne, seit Tagen versteckt, beginnt schüchtern zu scheinen. Platzwart Franz Albers, Geburtstagskind des Einweihungstages (37 Jahre), versucht, den noch regennassen Platz mit einem "Bundesliga-Muster" zu scheren und hat seine liebe Mühe.
Dann aber: Das Wetter verbündet sich mit der Gemeinde Wulfen und ihren blau-weißen Sportlern, die Sonne strahlt, erste Neugierige, erste Schalke-Fans erscheinen.
Die Uhr zeigt 17:30 Uhr und es beginnt zu strömen! Aber nicht der Regen, sondern die Zuschauer von nah und fern. Tausende kommen, nicht nur aus dem engsten Bereich. Der Borkener Raum, das Münsterland steht hinter dem FC Schalke 04! So kommen fast 5.000 Zuschauer nach Wulfen. Noch nie sahen Wulfens Straßen eine derartige Anzahl an Fahrzeugen. Reibungslos wickelt die Polizei, vorsorglich um Großeinsatz gebeten, die An- und Abfahrt ab. Alles in Allem: Ein "Sonnentag", an den der SCW und seine Anhänger noch lange denken werden. Aber auch die Gemeinde Wulfen, die durch Bürgermeister Bernhard Osterkamp die neue Anlage an den SCW übergab, darf stolz auf "ihr" Schmuckstück sein! Sie wird – auch nach der Eingemeindung Wulfens in die Stadt Dorsten – noch Jahrzehnte ihre aufgeschlossene Haltung gegenüber dem Sport durch die "Sportanlage Wittenbrink Wulfen" unter Beweis stellen!
Im Laufe der letzen fast 30 Jahre ist die Anlage noch verschönert worden (Holztribüne, Sprecherhäuschen, Verkaufskiosk, Vordach, Clubhausumbau). Reparaturen und Erneuerungen wurden in Eigenleistungen durchgeführt, dafür danken wir unseren "Rentnern". Ein ebensolcher Dank gebührt denen, die sich Spieltag für Spieltag auf unserem Sportgelände um unsere Gäste und Zuschauer stets liebevoll und nett kümmern.

Zeitungsbericht:

FC Schalke 04 im Spaziergang gegen Wulfen
4.200 Zuschauer sahen in Wulfen einen klaren 6:0 Sieg der Schalker "Knappen"

EinweihungsspielWulfen. Am gestrigen frühen Abend schien ganz Wulfen auf den Beinen zu sein, denn kein Geringerer als die Startruppe des FC Schalke 04 gab sich die Ehre gegen die Amateure des heimischen BW Wulfen zu kicken. Gute Stimmung auf den Rängen – die 4.200 Zuschauer ließen den Hauch von Bundesligaatmosphäre aufkommen – dazu ein halbes Dutzend Tore. Fußballerherz, was willst du mehr? Daß dabei die Schalker alle sechs Treffer auf der Habenseite verbuchen konnten, war allerdings schon im voraus zu erahnen. Dennoch begannen die ersten 15 Minuten für die Platzherren ganz nach Wunsch. Zwei tolle Chancen vergaben Wawer und Wiesmann. Dieser kleine Schock rüttelte die Horvat-Schützlinge jedoch erst richtig wach, und es kam die Zeit des Wiesels aus Zwiesel, Klaus Fischer. Der Ex-Bayer setzte dem ansonsten großartig reagierenden Wulfener Schlußmann Born drei Törchen ins Netz, daß dem Zuschauer nichts anderes übrigblieb, als kräftig zu applaudieren. Das schönste Tor des Abends erzielte dann allerdings Helmut Kremers, der aus spitzem Winkel ein "Pfund" losließ, das genau im Triangel Platz fand. Mit dem beruhigenden 4:0 – Vorsprung ging es auch in die zweite Halbzeit, in der es die Schalker mit ihrer wohl augenblicklich stärksten Formation versuchten, also mit Bongartz, Sobieray, Rüßmann und Lütkebohmert. Der "Spargeltarzan" aus Wattenscheid war es dann auch, der mit einem trockenen 20-m-Schuß das 5:0 markieren sollte. In der 48. Minute dann der sechste und letzte Treffer durch den agilen Krauthausen, der in der 72. Minute einen Foulelfmeter neben den Pfosten setzte. Alles in allem eine Partie, die einseitig, aber dank der Klasse der Schalker nie langweilig wurde.

Wulfen: Born, Tenbreul, Schnieders, Zahlmann, Lütkebohmert, Mecking, Jakschik, Walter, Wawer, Thole, Wiesmann, Menze, Döweling, Niewerth, Robert.
Schalke: Nigbur, Salewski, Kremers, van der Berg, Fichtel, Thiele, Libuda, Krauthausen, Fischer, Budde, Scheer, Bongartz, Rüßmann, Lütkebohmert, Sobieray, Gede, Abramczyk, Endrulat.
Zuschauer: 4.200. Tore: 0:1, 0:2, 0:3 Fischer (14., 35., 40.), 0:4 Kremers (42.), 0:5 Bongartz (46.), 0:6 Krauthausen (48.).

Die Geschichte des Sportclubs Blau-Weiß Wulfen niedergeschrieben von Rolf Schürmann und Hans Jakschik

1. Von der Dorfmannschaft zum Großverein (von Rolf Schürmann 1973)
Alt-Wulfen

Wer heute die moderne Sportanlage "Wittenbrink" oder die Turnhalle an der Wittenbrinkschule besucht und den regen Sportbetrieb der Fußballer, Basketballmannschaften oder der Damen-, Herren- und Kindergruppen der Turn- und Gymnastikabteilung des Sportclubs Blau-Weiß Wulfen beobachtet, dem fehlt wohl jeder Begriff von den Schwierigkeiten, denen sich die ersten "Verrückten" gegenübersahen, die nach dem 1. Weltkrieg im Herbst 1919 auch im westfälischen Bauerndorf Wulfen mit dem Fußballspielen begannen und damit den Anfang für eine stetige Aufwärtsentwicklung im Wulfener Sport schufen.

Kriegsheimkehrer, die fern von Wulfen die Anziehungskraft des Lederballs kennen gelernt hatten, begannen auf Wulfens Viehweiden ein Treiben, das mit dem heutigen Fußballspiel nach festen Regeln fast nur den Namen gemeinsam hatte. Immerhin, der Anfang war getan, die Begeisterung geweckt. Planmäßig und nach festen Regeln betrieben dann von 1920 an sportbegeisterte Jungen des katholischen Jünglingsvereins das Fußballspiel. Sie fanden in dem damaligen Kaplan Naendrup (später Pfarrer in Hopsten bei Rheine) einen tatkräftigen und unermüdlichen Förderer. Erste Wettspiele fanden auf den Wiesen in Kottendorfs Feld und im Köhl statt. Später baute die Mannschaft in Eigenhilfe den oberen Teil der heutigen Sportanlage "Wittenbrink" aus. Die ersten Vereinsfarben waren Schwarz-Rot, der Name "Concordia".

Nach Überwindung der Schwierigkeiten während der Inflationsjahre gab es von 1927 an einen neuen Aufschwung, als Heinrich Kreickmann, der heutige Ehrenvorsitzende des SC Wulfen, von Dorsten nach Wulfen zog. Die Farben der erfolgreichen Schalker "Knappen" wurden von Wulfens Sportlern übernommen, als "Blau-Weiß Wulfen" traten sie in der Folge auf. Nach guten Ergebnissen wurde Wulfen in der DJK-Untergruppe Emscher der B-Klasse zugeteilt. Gegner waren u.a. Rentfort, Beckhausen, Buer-Mitte und Kirchhellen. Die Wulfener Mannschaft schaffte trotz der Stadtkonkurrenz den Aufstieg in die A-Klasse, in der sie sich bis zur Auflösung der DJK-Vereine hielt.

Auch in der A-Klasse gab es Erfolg auf Erfolg: Bald stand die Mannschaft an zweiter Stelle und sollte nach der geplanten Aufstiegsregelung in die Gauklasse aufsteigen. Den Stadtvereinen war jedoch der "Bauernverein" - sicherlich auch wegen der erheblichen Entfernungen - offensichtlich nicht sehr willkommen: Aus "technischen" Gründen stieg doch nur der Meister der A-Klasse auf. Aber auch die Zugehörigkeit zu dieser Klasse bedeutete für den kleinen Landverein einen beachtlichen Erfolg. Die Fahrten führten nach Gelsenkirchen, Buer, Bottrop, Gladbeck, Osterfeld,zu bekannten Stadtvereinen, denen die Reise nach Wulfen nie ganz geheuer war, denn die Wulfener Mannschaft galt als recht heimstark.

Der politische Umschwung 1933 führte zur Auflösung der DJK-Vereine. Der Fußballsport hatte aber in Wulfen festen Fuß gefaßt, so daß der Spielbetrieb im Westdeutschen Spielverband (WSV) fortgesetzt wurde. Eine Neuaufteilung brachte die Zuordnung zum Raum Bocholt-Rhede-Borken.

Mitten in spielerische Erfolge hinein traf die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht den Verein schwer: Fast alle aktiven Spieler mussten Soldat werden. Als bald darauf der 2. Weltkrieg ausbrach, kam der Spielbetrieb endgültig zum Erliegen, nur eine Jugendmannschaft spielte zunächst noch in blau-weißen Farben weiter. Das Kriegsende setzte auch dem bald ein Ende. Mit der Zerstörung der Städte und Dörfer und der totalen Niederlage Deutschlands endete auch Blau-Weiß Wulfen.

Die Geschichte des Sportclubs Blau-Weiß Wulfen niedergeschrieben von Rolf Schürmann und Hans Jakschik

2. Nach schweren Nachkriegsjahren neuer Aufschwung (von Rolf Schürmann 1995)
Bahnhof Wulfen

Wieder musste nach einem verlorenen Krieg der Fußball in Wulfen unter größten Schwierigkeiten ganz von vorne anfangen: Der größte Teil der Vorkriegsspieler kehrte aus dem Krieg nicht zurück, die Vorkriegs- Jugendmannschaft hatte ebenfalls große Verluste erlitten. Der Sportplatz war durch Panzer beschädigt und durfte nur jeweils mit Genehmigung des britischen Ortskommandanten benutzt weden. Die Sportausrüstung der Spieler war in alle Winde zerstreut, neue Trikots und Bälle waren kaum zu besorgen.

Dennoch ging es schon im Sommer 1945 weiter. Erste Spiele gegen Fußballer in den Nachbargemeinden fanden statt. Dann gab es am 24.November 1945 den offiziellen Neubeginn: Im „Gesellschaftszimmer“ des Gasthofs Humbert beschlossen 34 Sportanhänger unter dem Vorsitzenden Heinrich Kreickmann die Wiedergründung des Sportclubs Blau-Weiß. Mit einer Senioren- und einer Jugendmannschaft - der wegen der schlechten Ernährungslage Spieler bis zu 20 Jahren angehören durften - ging es in das erste Nachkriegsjahr.

Auf Anordnung der britischen Militärregierung mussten schon ein Jahr später alle Sportvereine aufgelöst und mit bestimmten Auflagen neu gegründet werden. Daher gab es am 2. Oktober 1946 die dritte „Neugründung“: In der Generalversammlung trat der alte Vorstand geschlossen zurück und mit nur geringen Änderungen gab es folgende Wiederwahl:

1. Vorsitzende:Heinrich Kreickmann1. Geschäftsführer:Hans Wilms1. Kassierer:Gustav Winsten
2. Vorsitzende:Dr. Hubert Stenert2. Geschäftsführer:Rolf Schürmann2. Kassierer:Paul Kohl
Jugendobmann:Richard SchürmannLeichathletikobmann:Hubert WüllerFußballfachwart:Heinrich Maag

Nur wer selbst die damalige Zeit erlebt hat, vermag die Schwierigkeiten des Spielbetriebs zu ermessen: mangelnde Verkehrsverbindungen (Standart-Verkehrsmittel waren Fahrräder aus allen möglichen Einzelteilen, mit sandgefüllten Reifen!), die Spielerkluften stammten aus Bettbezügen, als Fußballschuhe dienten umgearbeitete Arbeitsschuhe, und selbstgefertigte Fußbälle waren teilweise nur „fast“ rund. So waren Zusammenhalt und Weiterbestehen für den Verein jahrelang wichtiger als sportliche Erfolge. Auf zwei Generalversammlungen am 5. und 26. Juni 1948 stand ernsthaft die Auflösung des Vereins zur Debatte. Es bedurfte eindringliche Worte Hubert Wüllers, um Spieler und Vorstand noch einmal aufzurütteln und den Verein am Leben zu erhalten. So überstand der Verein diese Krise und ging mit einem Kassenbestand von 18,86 DM (9,64 €)) in das Jahr 1949

Am Ende des Spieljahres 1950/51 gelang den Wulfenern erstmalig der Vorstoß in die Spitzengruppe der 1. Kreisklasse Borken-Dorsten. Die Blau-Weißen erreichten den 3. Tabellenplatz, den sie auch im darauffolgenden Spieljahr wieder erringen konnten. Als auch 1955/56 wieder der 3. Tabellenplatz erreicht werden konnte, sprach man in Wulfen erstmalig schon einmal das Wort „Aufstieg“ ganz vorsichtig aus. Sehr schnell wurde es Wahrheit: Im Spieljahr 1956/57 wurde der SC Wulfen Meister der 1. Kreisklasse Borken-Dorsten und damit – im Gegensatz zur gegenwärtigen Regelung – automatisch Aufsteiger zur Bezirksklasse.

Die Geschichte des Sportclubs Blau-Weiß Wulfen niedergeschrieben von Rolf Schürmann und Hans Jakschik
3. Nachkriegs-Meisterschaften (von Rolf Schürmann 1973)
Burgring

Der Sprung in diese höhere Spielklasse mit Vereinen aus den benachbarten Groß- und Mittelstädten schien den Blau-Weißen nur sehr schlecht zu bekommen: In den 13 Spielen der 1. Serie gab es ganze 5 Punkte und den letzen Tabellenplatz. Doch in der 2. Serie zeigte sich der später noch oft gerühmte Kampfgeist der Wulfener: Mit 8 Siegen und 2 Unentschieden schafften sie den Klassenverbleib; die letzten notwendigen Punkte errangen die wackeren Kämpfer am Schützenfest-Samstag 1958 in Haltern bei TuS Haltern und sicherten damit dem Jubiläums-Schützenfest zum 125jährigen Bestehen des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Wulfen eine Bombenstimmung.

Doch im zweiten Bezirksklassenjahr zeigte sich, dass Kampfgeist allein zum Bestehen in dieser schweren Klasse nicht ausreichte. Nach einer schlechten 1. Serie gab es zwar wieder eine Steigerung in den Rückspielen, dennoch stand am Ende der Abstieg, nicht zuletzt durch 6 verschossene Elfmeter durch übergroße Nervosität.

So ging es zurück zur Kreisklasse, aber mit dem festen Vorsatz, zum 40jährigen Vereinsjubiläum im Jahre 1960 wieder die Meisterwürde zu erkämpfen.

In der 1. Serie gab es nur die inoffizielle „Vize-Herbstmeisterschaft“ hinter FC Rot-Weiß Dorsten, in der 2. Serie aber nur 3 Minuspunkte und damit den Wiederaufstieg zur Bezirksklasse. Einen Höhepunkt gab es noch einmal im letzten Spiel gegen Sportfreunde Maria-Veen: Es ging um die „Schützenkönigs“-Würde des besten Torschützen in der Meistermannschaft. Franz Albers, noch heute aktiv und Stütze des Vereins, und Leo Rößmann,der „echte“ Schützenkönig eines Schützenfestes in Wulfen, trieben sich im kameradschaftlichen Wettstreit auf zusammen 10 Tore und die Mannschaft zum 14:1-Sieg. Leo Rößmann wurde mit 7 Treffern in diesem Spiel, wie später so oft in seiner großen Zeit als Sturmtank, dann der Torschützenkönig.

Diese erneute Meisterschaft gab einen stimmungsvollen Rahmen zum großen Vereinsjubiläum im August 1960 zum Anlass des 40jährigen Bestehens.

In der Bezirksklasse behauptete sich der SC Wulfen trotz mancher bedrohlicher Jahre ununterbrochen bis zur Meisterschaft in dieser Klasse im Spieljahr 1971/72. Im unvergessenen „Endspiel“ gegen TuS Haltern auf dem „Wittenbrink“ – beide Mannschaften waren am letzten Spieltag punktegleich an der Spitze – gab es einen etwas glücklichen, aber schließlich nicht unverdienten Sieg und damit die Meisterschaft und den Aufstieg in die Landesliga.

Nach gutem Start, einer Pechsträhne mit 7 Niederlagen hintereinander und einem tollen Endspurt (wider einmal!) mit nur einer Niederlage in den letzten 9 Spielen (gegen den Meister VfB Rheine) klang dieses Spieljahr 1972/73 dann noch recht erfolgreich aus.

Die Geschichte des Sportclubs Blau-Weiß Wulfen niedergeschrieben von Rolf Schürmann und Hans Jakschik
4. Mit Breitenarbeit zum Großverein (von Rolf Schürmann 1973)

Der SC Blau-Weiß Wulfen hat sein Gesicht gewandelt!
Vom reinen Fußballverein mit 4 Mannschaften, der nur zwischen 1946 und 1949 im Rahmen der Amtssportfeste nebenher Leichtathletik betrieb – wenn auch mit beachtlichen Erfolgen – ist er ein Großverein mit fast 900 Mitgliedern in den Abteilungen Fußball, Basketball, Turnen und Gymnastik geworden.

Die Fußball-Abteilung ist 1973 auf 4 Senioren-, 9 Jugend- und 1 Mädchenmannschaft angewachsen.

Durch die Initiative des Vereinsvorstands bildete sich schnell im neuen Ortsteil Barkenberg eine Gymnastik-Gruppe. Sie verfügt inzwischen über Herren-, Damen- und Kindergruppen mit eigenen Übungsleitern und Sportabzeichen-Prüfern. Mit 300 Mitgliedern in 12 Gruppen stellt sie eine gewichtige Abteilung des Vereins dar.

Als es E. A. Kleinschmidt nach Wulfen verschlägt, ist er beseelt von der Idee, in Wulfen eine Hallensportart ins Leben zu rufen. Von Hause aus Handballer versucht er sich am Basketball, bedingt durch die Wulfener Hallensituation, die keinen Hallenhandball zuläßt. Er schließt sich mit begeisterten Jugendlichen mit seiner Abteilung dem SC Wulfen an und 1971 wird das erste Mal eine Seniorenmannschaft gemeldet. Die Basketball-Abteilung, die sich aus kleinen Anfängen (und in einer kleinen Turnhalle) inzwischen zu einer beachtlichen Stärke entwickelt hat und in der neuen Wittenbrink-Turnhalle auch die notwendigen Voraussetzungen vorfindet, verfügt nun über 5 Mannschaften.

So bietet der SC Wulfen einer großen Sportlerfamilie Möglichkeiten zur Betätigung. Dabei hat er sicherlich noch nicht seine Grenzen erreicht.

Anmerkung:

Im August 1974 kommen zur Einweihung der neuen Sportanlage Wittenbrink in Wulfen 5.000 Zuschauer, um das Spiel BW Wulfen gegen den FC Schalke 04 mitzuerleben.

Im Oktober 1975 wird die Sporthalle der Gesamtschule Wulfen eingeweiht.

Die Partnerschaft der drei Abteilungen hielt bis 1980; die Gymnastik- und die Basketballabteilumg konnten und wollten sich mit der neu beschlossenenen Satzung nicht identifizieren und trennten sich vom Hauptverein, um von nun an als GSC Wulfen und BSV Wulfen eigenständige Wege zu gehen.

So eröffnet der GSC Wulfen der Jugend weitere Möglichkeiten Sport zu treiben, wie z.B. Schwimmen, Turnen und Volleyball.

Der BSV geht mit seinen rund 270 Mitgliedern (Stand: August 2001), basierend auf einer hervorragenden Jugendarbeit, einer sportlich erfolgreichen Zukunft entgegen. Dabei kann man auf zahlreiche sportliche Erfolge verweisen: WBV-Pokalsieger der Herren,zweimaliger WBV-Jugendmeister, Teilnehmer an Deutschen Jugendmeisterschaften, Stammverein zahlreicher Auswahl- und Jugend-Nationalspieler, seit 1987 mit nur einjähriger Unterbrechung in der 1.Regionalliga der Herren, der höchsten Spielklasse des WBV, vertreten ....

Mitgliederzahlen 1. SCBW Wulfen (nur Abt. Fußball) (Die Jugend ist die Zukunft)

Jahr bis unter
7 Jahre
m/w
bis unter
15 Jahre
m/w
bis unter
18 Jahre
m/w
über
18 Jahre
m/w
gesamt
aktiv/passiv
1975 -/- 75/- 30/- 300/23 428/-
1976 -/- 80/- 30/- 254/23 387/-
1977 -/- 85/- 26/- 291/30 432/-
1978 -/- 107/- 44/- 280/30 461/-
1979 -/- 109/- 43/- 271/30 453/-
1980 -/- 112/- 58/- 241/33 444/-
1981 -/- 107/15 56/- 244/34 456/-
1983 41/- 104/28 43/- 293/37 546/-
1984 -/- 105/16 45/14 296/35 511/185
1985 -/- 78/18 52/16 334/- 501/218
1986 -/- 96/16 59/- 334/17 522/215
1987 -/- 82/- 48/7 348/22 507/-
1988 20/- 55/- 35/- 352/30 492/213
1989 -/- 68/- 32/- 314/12 426/-
1990 -/- 68/- 30/- 308/12 418/-
1991 -/- 69/- 30/- 306/25 430/180
1992 25/- 69/- 15/- 312/25 446/186
1993 10/- 80/- 30/- 320/25 465/189
1994 25/- 110/- 17/- 308/25 485/173
1995 33/- 108/- 44/- 297/25 507/-
1996 42/- 99/- 38/- 298/25 502/188
1998 25/- 120/- 30/- 206/25 406/135
1999 50/- 80/- 36/- 219/25 410/147
2000
Mitgliedzahlen
Die Geschichte des Sportclubs Blau-Weiß Wulfen niedergeschrieben von Rolf Schürmann und Hans Jakschik

5. Eigener Nachwuchs - Goldgrube jedes Vereins (von Hans Jakschik 1995)
Während die Jugendabteilung in den fünfziger Jahren zunächst hinter den Senioren zwangsläufig eine Nebenrolle spielen mußte - die Seniorenabteilung war schon schwer genug "über die Runden" zu bringen - konnte später Jugendleiter Walter Tillmann durch unermüdlichen Einsatz systematischen Aufbau schöne Erfolge erzielen. Eine "Traumjugend" stand ihm 1959/60 mit der damaligen A-Jugend zur Verfügung: In 20 Punktespielen gab es 20 Siege mit dem Rekord-Torverhältnis von 102:17! Allein 50 dieser Tore erzielte Franz Schulten, der später auch in der 1. Mannschaft noch tolle Tore erzielen sollte und mehrere Jahre für die Spvg. Marl in der höchsten deutschen Amateurklasse Tore trat.

Leo AlbersBis Ende 1965 leitete Walter Tillmann die Jugendabteilung. Sein Nachfolger wurde Leo Albers, von seinen Jungen nur "Pele" genannt. Sein Elan, sein unzerstörbarer Optimismus brachte nach dem Aufbau weiterer Jugendmannschaften schließlich auch in der Jugendabteilung die Krönung: Die A-Jugend stieg 1987 in die Jugend-Leistungsklasse Recklinghausen auf und belegte dort unter den 12 besten Jugendmannschaften des großen und spielstarken Kreises den 7. Platz. Die Schülermannschaft wurde mit dem Rekord- Torergebnis von 116 Treffen in 16 Spielen zwar nur Zweiter, gelangte aber im Kreispokal unter die letzten Vier.
Im folgendem Spieljahr wurde die A-Jugend erstmals Gruppenmeister und verpasste nach 2 Siegen im entscheidenden Spiel knapp den abermaligen Aufstieg in die Leistungsklasse. Dieses Ziel schaffte sie aber im Jubiläumsjahr 1970 durch zwei Siege in den Ausscheidungen. Ein stolzer Erfolg für den Verein, aber auch für Jugendleiter und Geschäftsführer Leo Albers! Seine 6 Jugendmannschaften, zu denen sich auch zahlreiche Mädchen für eine Mädchenmannschaft drängen, sind die Hoffnung des Vereins. Gerade Jugendspieler aller Altersklassen sind in großer Anzahl unter den Bewohnern des neuen Ortsteils Barkenberg zu finden und drängen sich zu den Spielen der A-, B-, C-, D- und E-Jugend.
So gesehen wurde Blau-Weiß zum Sammelbecken für junge Fußballspieler, die Zahl der Mitglieder und somit der Mannschaften im Jugendbereich stieg kontinuierlich und einige Jahre (1978-84) hatte Blau-Weiß 12 Jugendmannschaften, so daß in jeder Altersstufe zwei Mannschaften starteten. Die sportlichen Erfolge erstreckten sich in erster Linie auf mehrere Stadtmeisterschaften in der Halle und auf dem Feld.

Herausragend war in der Saison 83/84 der Aufstieg der C1-Jugend unter Trainer Uli Neumann als erste Mannschaft aus Dorsten in die Bezirksliga. In diesen Jahren hatte Blau-Weiß auch wohl die beste A-Jugend der vergangenen 25 Jahre; von diesen Spielern bildeten später noch einige das Korsett der 1. Mannschaft.
Wenn es dem 1. SCW im Jugendbereich auch nie gelang, eine große Mannschaft aufzubauen, so schaffte es Leo Albers als Jugendleiter aber immer wieder, starke Jugendspieler der 1. Mannschaft zuzuführen. Etliche Spieler bewiesen ihr großes Können in Auswahlmannschaften (A. Vasic,J. Mantel, R. Stranninger, A. Neumann, M. Lützner, D. Pohlmann u.a.). Drei Spieler aus den sehr guten A-Jugendjahrgängen 83-85 schafften sogar den Sprung in die Westfalenauswahl und sie alle trugen zum guten Ansehen von Blau-Weiß bei (D. Albers, M. Otte, Chr. Geldermann).
Um dieses Ansehen war der Jugendleiter Leo Albers stets bemüht. Über den sportlichen Sektor hinaus kümmerte er sich durch verschiedene Aktivitäten um seine jungen Fußballer. Zeltlager und Auslandsfahrten gehörten bald zu jedem Saisonabschluß.
In Dänemark machte Leo vielerlei Erfahrungen in Bezug auf Jugendturniere und 1976 konnte er zum erstenmal seinen großen Traum verwirklichen, ein großes A- und B-Jugendturnier am Wittenbrink. Der Westfalen-Cup war geboren.
Er sollte über mehr als 10 Jahre die Jugend aus Nah und Fern in seinen Bann ziehen, denn zum Westfalen-Cup kam man für der bis vier Tage nach Wulfen, um in einer riesigen Zeltstadt unter gleichgesinnten Fußballern gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen. Es gab nicht immer "Leo-Wetter" in diesen Jahren, aber Leo und Kalle Berkel sowie die zahlreichen Helfer/-innen kannten nie Probleme und rissen stets alle Teilnehmer mit ihrer positiven und optimistischen Einstellung mit. Dieses größte Jugendturnier Westfalens (500 Spieler / 28 Mannschaften) zog zumeist über Pfingsten bis zu 4.000 Zuschauer an. Am Endspieltag, dem Pfingstmontag, waren nicht selten über 1.000 Menschen bei den Endspielen zugegen und erlebten mit den Spielern und dem Spielmannszug Wulfen einen schönen Ausklang dieses Turniers.
Die Organisation eines solchen Mammutturniers wurde aber immer schwieriger, dazu kamen einschneidende Auflagen des Verbandes, so daß es in heutiger Zeit nur noch Tagesturniere mit weitaus weniger Mannschaften gibt und natürlich unter blau-weißer Leitung auch weiterhin geben wird. Dafür stehen die Jugendleiter und Mitarbeiter/-innen im Jugendbereich, denn es sind gerade sie, die einen langen Weg mit Leo gegangen sind, und er hat sie an ihre Aufgaben herangeführt; sie werden für Blau-Weiß einen erfolgreichen Weg weitergehen. Wir wissen die Jugend bei ihnen in guten Händen und hoffen wie immer auf Nachwuchs für den Seniorenbereich, und hier besonders für die 1. Mannschaft.
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